A319-112 ist gelandet - wir waren dabei

 

Hallo!

 

Heute geht es um Strukturentwicklung live!

Ihr habt es bestimmt alle mitbekommen: dass es auf dem Verkehrslandeplatz Rothenburg vorangeht. Die Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) und die Flugplatz Rothenburg / Görlitz GmbH arbeiten und forschen ab sofort zum zweiten Mal zusammen an dem Erfolg versprechenden Projekt des Flugzeugrecyclings, also der möglichst vollständigen Nachnutzung eines komplexen Flugzeugs. Eine tolle Entwicklung für Rothenburg, vor allem, da bei der Zusammenarbeit darauf geachtet wird, dass auf und um den VLP ein CO2-neutrales Gewerbegebiet, auch mit weiteren Akteuren und Unternehmen, entstehen soll. Eine Anlage zur Nachnutzung der Komponenten von Flugzeugen könnte ein Herzstück dieses Gebietes sein – die Ansätze, die heute schon zu erkennen sind, sind vielversprechend.

Doch zunächst steht viel konkrete Arbeit an.

Seit der Landung des Airbus A319 am 11.11. arbeiten lokale und internationale Mitarbeiter und Experten daran, den Flieger rückzubauen und funktionsfähige, fast nagelneu aufgearbeitete Einzelteile herauszulösen. Diese werden dann auf den internationalen Markt gegeben und innerhalb des Recyclingkreislaufs in andere Flugzeuge eingebaut.

Der erste Airbus A320 (MSN1823) wurde im Frühjahr dieses Jahres erfolgreich recycelt. Es war ein "Prototypenprojekt", bei dem es um den Nachweis der technischen Machbarkeit am Standort ging. Die Recyclingquote lag bei 95% - Test also für alle Beteiligten bestanden! Viel ging in die stoffliche Verwertung. Fahrwerk, Hilfsturbine und Triebwerke wurden in andere Flugzeuge eingebaut, andere Teile wurden einer neuen Nutzung zugeführt - wie z.B. das Cockpit. Aus ihm wurde ein Flugsimulator. Auf dem Weltmarkt sind Einzelteile, Materialien und wiederverwertbare Baugruppen aus ausrangierten Flugzeugen stark gefragt: "Je nach Art der Teile kosten Recyclingkomponenten lediglich bis zu 60 Prozent des Neupreises", erklärt die EFW-Sprecherin Anke Lemke. Angesichts der Tatsache, dass bis zu 11.000 Flugzeuge innerhalb der kommenden zehn Jahre ausgemustert werden sollen, eröffnet sich ein beachtlicher Markt für hochqualitative, aber gebrauchte Teile.

Knapp ein Jahr, nachdem der erste Airbus in Rothenburg landete, waren alle Beteiligten glücklich, den "neuen" (22 Jahre alten) Airbus A319-112 nach seiner letzten Reise in Empfang zu nehmen und nun die weiteren Schritte zusammen zu gehen. Auch unser ENO-Kollege Uwe Garack, Projektmanager für die Kommunen des nördlichen Landkreises, war hautnah dabei.

"Die minutiöse Vorbereitung zwischen den EFW und dem Flugplatz Rothenburg/ Görlitz GmbH bis hin zur Landung - das war für alle ein intensives Erlebnis. Plötzlich steht man ganz nah an so einem Riesenflugzeug und weiß, dass es in wenigen Wochen zerlegt sein wird, dass die Einzelteile aufgearbeitet und wieder in Flugzeuge eingebaut werden. So wird in unserem Landkreis an der Weltspitze des Flugzeugrecyclings gearbeitet.". Auch, wenn die Landung und die darauffolgenden Arbeiten für den Außenstehenden "leicht" wirkten, so waren doch beachtliche technische und sicherheitsrelevante Anforderungen zu beachten, erklärt Uwe Garack. " Das allein fing schon damit an, dass wir die Sicherheitshinweise ins Englische übersetzen mussten bis hin zur Ermittlung der optimalen Rollwege des Flugzeuges am Modell. Auch die Bereitstellung und Koordination der lokalen Sicherheitskräfte wie der Feuerwehr waren mit viel Engagement aller Beteiligten verbunden.“

Darüber freut sich der gebürtige Rothenburger Uwe ganz besonders: "Das ist beachtenswert, auch, weil wir bei der Arbeit dem Ziel, ein CO2-neutrales Gewerbegebiet zu etablieren, wieder ein großes Stück nähergekommen sind. Damit das alles so reibungslos klappt, haben wir mit dem Landkreis und mit den Elbe Flugzeugwerken eng zusammengearbeitet und waren ganz nah dran, als es konkret wurde. Das ist schon toll, das internationale Expertenteam jetzt an diesem Riesenflieger arbeiten zu sehen, da spürt man wirklich, wie es vorangeht."

Auch Thomas Rublack, Leiter des Dezernats 3 beim Landkreis Görlitz und Geschäftsführer der Flugplatz Rothenburg/ Görlitz GmbH, begrüßt die Fortsetzung des Prototypenprojekts. Schließlich sind die Voraussetzungen für derartige Projekte gegeben, erklärt er. Der VLP Rothenburg habe eine 2 Kilometer lange, befestigte und markierte Landebahn, auf der Flugzeuge bis zu einer Masse von 14 Tonnen starten und landen können. Die zweite Piste ist eine unbefestigte, 1200 Meter lange Bahn für bis zu 5,7 Tonnen schwere Flugzeuge. Neben der weiteren erforderlichen Infrastruktur stehen am Standort auch Flächen für die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbeflächen zur Verfügung. Nichtsdestotrotz bedarf es einer ganzen Menge von Vorbereitungen, damit solch ein Projekt zum Erfolg wird.

"Die Kooperation mit den Elbe Flugzeugwerken ist eine ideale Konstellation für die Prototypenprojekte und hat inzwischen eine Tradition von einigen Jahren. Wir sind sehr dankbar für ein so großes, zukunftweisendes Projekt, das Vertrauen und die Möglichkeiten, die sich durch die Zusammenarbeit ergeben. Diese währt inzwischen bereits einige Jahre und gemeinsam wurde intensiv an der Vorbereitung gearbeitet. Wir als Betreibergesellschaft haben die zurückliegenden Jahre intensiv genutzt, um uns auf die Herausforderungen und zukunftsweisende Projekte vorzubereiten. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dabei auch immer die tatsächlichen Möglichkeiten und Potentiale des Platzes zu transportieren. Dass über diese beiden Flugzeuge gezeigt werden konnte, dass die Region sich für diese Art von Projekten eignet, Aufmerksamkeit erzeugt und darüber hinaus eine Attraktivität ausstrahlt, die auch andere Investoren mit Ihren Anfragen anzieht, freut mich ganz besonders.“

Plangemäß soll der Eurowings-Airbus wieder bis zum kommenden Frühjahr rückgebaut werden. Dann, so erklärt Anke Lemke von den EFW, soll basierend auf den Ergebnissen dieses zweiten Projekts über die weitere Zukunft entschieden werden.

Wir wünschen diesem tollem Projekt und allen Beteiligten nur das Allerbeste!

Eure

Uwe und Jasna

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