(Foto und alle Rechte: Flugplatz Rothenburg)

Manchmal gibt es diese Tage, an denen man die Zeitung aufschlägt und fortan nur noch gute Laune hat. Nämlich wenn man sieht, dass einfach mal was klappt. Für uns in der ENO, besonders für uns im Team Strukturentwicklung (und sicherlich noch für viele andere, vor allem Rothenburger…) war neulich so ein Freudentag. Plötzlich wird Strukturentwicklung sichtbar, es geht voran, man kann es nicht nur lesen, spüren, sondern sogar in Wirtschaftszahlen messen.

Und das nach gerade mal zwei Jahren der intensiven Vorbereitung. Aber eins nach dem anderen.

Im August 2019 unterzeichneten die Elbe Flugzeugwerke (EFW) zusammen mit dem Landkreis Görlitz, dem Eigentümer des Verkehrsflugplatzes Rothenburg O.L., eine Absichtserklärung. Man wollte gemeinsam testen, ob zunächst ein Kleinflugzeug, später ein 55 Tonnen schwerer Airbus A 320 vollkommen zerlegt und dem Recycling zugeführt werden könnten. Das Kleinflugzeug war schnell zerlegt, also landete im November 2020 der Airbus in Rothenburg und wurde ab Dezember in seine Einzelteile zerlegt. Nach dem Experiment, an dem viele Fachkräfte aus der Region und auch aus der Schweiz beteiligt waren, wurde statuiert, dass 85 Prozent der Komponenten und Materialien wiederverwendet werden können. Aus dem Cockpit wurde ein Flugsimulator, das Fahrwerk, die Hilfsturbine und die Triebwerke wurden in noch funktionstüchtige Flugzeuge eingebaut.

Aus den Elbe Flugzeugwerken heißt es dazu, dass es nun interessant sei, das Geschäft mit Recyclingkomponenten in größerem Maßstab aufzuziehen, denn die gebrauchten Bestandteile würden auf dem Markt bis zu 60 Prozent des Neupreises erzielen. Das Volumen des Komponentenmarkts betrage jährlich zwischen sechs und sieben Milliarden Dollar. Und dass man dieses Geschäft vom Rothenburger Flugplatz aus aufnehmen will, wie EFW-Geschäftsführer Andreas Sperl am Mittwochabend vor dem Stadtrat verkündete!  Flugzeugrecycling sei "ein Riesengeschäft", in das sich das Dresdener Unternehmen bald einklinken wolle. Innerhalb der kommenden fünf Jahre würden weltweit rund 4.000 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge außer Dienst gestellt. Beste Aussichten für alle Beteiligten also! Aktuell laufen schon Gespräche zwischen den EFW und mehreren Fluggesellschaften, denn noch in diesem Jahr soll das nächste Flugzeug verwertet werden.

Aber damit nicht genug.

In Rothenburg soll auf Anregung der EFW und zusammen mit der Heim Gruppe ein Technologiecampus entstehen, der CO2-neutral arbeitet. Als erste erneuerbare Energiequelle wird eine Photovoltaikanlage nördlich des Flugplatzes geplant. Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD) erklärte, die Stadt stehe hinter dem Konzept. Und einer ihrer Stellvertreter, unser Kommunalteam-Projektmanager Uwe Garack und Rothenburger aus Leidenschaft, steht nicht nur wie der gesamte Stadtrat hinter dem Konzept, sondern erinnert sich mit Freude an den Prozess, der jetzt so schnell ein glückliches Ende (bzw. einen vielversprechenden Start) hinlegt: "Als ich das erste Mal von dem Projekt hörte, dachte ich 'super, das hört sich nach einer realistischen Chance für den Verkehrslandeplatz an' und war von Anfang an zuversichtlich. Uns war klar, dass wir auf die breite Unterstützung des Landkreises vertrauen dürfen." Denn auch der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) setzte große Hoffnung in diesen Testlauf: "Ein Recyclingzentrum für Flugzeuge weltweit zu schaffen, ist das Ziel.".

Nach dem aktuellen Stand: wurde dieses Ziel erreicht. "Wir können uns schon vorstellen, wenn wir in eine industrielle Phase kommen, dass wir hier alle paar Wochen einen Flieger aufnehmen und dem Recycling zuführen", sagt EFW-Chef Andreas Sperl. Auch Uwe Garack freut sich, für seine Heimatstadt Rothenburg und den Landkreis – und wir uns mit ihm.

Viele Grüße!

Eure

Jasna 

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