Hallo! 

Anfang der Woche hatte ich die Freude, mit unserem Projektmanager aus dem Kommunalteam, Uwe Garack, auf Tour zu gehen. Ich begleitete ihn bei einem Besuch beim Bürgermeister von Schleife, Jörg Funda. 

Schleife, im Norden unweit der Tagebaukante gelegen, ist eine Gemeinde mit rund 2500 Einwohnern, die sich offensichtlich sehr wohl in der zweisprachigen Gemeinde fühlen. Denn ungeachtet der Fördermöglichkeiten, die jetzt für die Zeit während des und nach dem Kohleausstieg beantragt werden können, hat Schleife das Glück gehabt, schon vorher in die eigene Strukturentwicklung investieren zu können. 

"Wer hier aufwächst…"

 
Sichtlich stolz ist Bürgermeister Funda über das hochmoderne deutsch-sorbische Schulzentrum in Schleife, das - dies wurde allerdings schon 2008, damals noch mit Vattenfall beschlossen - durch rund 20 Millionen Euro vom Energieriesen gefördert wurde. "Wir könnten noch einen weiteren Klassenzug aufmachen, wenn wir genügend Lehrer hätten" erklärt Funda, "die Eltern stehen Schlange, um ihre Kinder bei uns beschulen zu lassen.". 

Auch, was die Bevölkerungsentwicklung in seiner Gemeinde angeht, ist er zuversichtlich. So erreichten ihn wöchentlich im Durchschnitt zwei Nachfragen nach Baugrundstücken. Neu ausgewiesene Baugrundstücke würden "sehr schnell weggehen", was für ihn ein klares Zeichen ist, dass "auch die jungen Menschen zur Familiengründung hierbleiben" würden. Mit der Anbindung nach Berlin und Dresden seien die Metropolen für die jungen Leute schnell erreichbar - und das scheinen Gründe genug zu sein, um die Heimat nicht verlassen zu wollen. Er ist sich sicher: "Wer hier aufwächst und einen guten Arbeitsplatz hat, der will auch hierbleiben.".

Natürlich seien der Kohleausstieg und der damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen ein Thema, sagt Funda offen. Doch mit Ansiedlung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im nur 10 Kilometer entfernten Weißwasser sei ein gutes Zeichen gesetzt und viele Arbeitsplätze geschaffen worden. "Gute Leute sind begehrt in dieser Gegend" freut er sich, auch wenn sein Gemeindehaus schon eine "tolle Kollegin" an die BAFA "verloren" hat. 

Die Sorge der Bergmänner vor dem Arbeitsplatzverlust 

Natürlich weiß Herr Funda aber auch um die Sorge der Bergmänner, die jetzt noch voll in der Kohleförderung aktiv sind – und die er ernst nimmt. Man müsse ganz genau schauen, wie man die Erfahrung und die Arbeitskraft dieser zu Recht stolzen Männer und Frauen in der Zeit nach dem Kohleausstieg einsetzen könne. Gemeinsam Perspektiven entwickeln. Gute Soziallösungen finden. Das ist ihm und vielen in seiner Gemeinde wichtig. "Die Jüngeren orientieren sich jetzt schon um" berichtet er z.B. von seinem Sohn, der jetzt mit 32 Jahren raus aus dem Bergbau und zur Polizei gehen will. "Für die Älteren wird es sicherlich nicht so leicht, aber wir versuchen, für alle passende Lösungen zu finden" zeigt er sich engagiert. 

Gefragt, warum Schleife noch keine Anträge auf Fördermittel nach dem Kohleausstiegsgesetz gestellt hat, erklärt der Bürgermeister, dass man geduldig abwarten und überlegen würde und nicht bei der ersten Runde der Geldvergabe dabei sein müsse. Er sei glücklich darüber, dass mit dem Halbendorfer See und der Wakeboardanlage schon ein großartiges Freizeitangebot auch für Touristen geschaffen wurde. Und dazu habe man noch den einzigen FKK-Campingplatz der Region, ein touristisches Alleinstellungsmerkmal. Für die touristische Vermarktung sieht er noch viel, vor allem auch gemeindeübergreifendes Entwicklungspotenzial und freut sich über jeden gemeinsamen Schritt, der das Lausitzer Seenland bekannter macht. 

Bei der Betrachtung der gesamten Strukturentwicklung im Landkreis Görlitz liegt Funda nicht viel daran, "etwas ganz Besonderes" alleine für Schleife zu beanspruchen. Er engagiert sich in der Bürgermeisterrunde des nördlichen Landkreises und bespricht sich alle zwei Monate mit seinen Kollegen. "Uns liegt schon daran, Dopplungen in der Antragstellung zu vermeiden und sich gegenseitig zu unterstützen" betont er, "schließlich geht es darum, die gesamte Region und nicht nur einzelne Orte oder Projekte" zu fördern. So begrüßt und unterstützt er bspw. Bemühungen um ein Großrechenzentrum, bei denen sich Rietschen, Weißwasser und Krauschwitz abstimmen. 

Für Schleife, aber auch die Nachbargemeinden könne er sich noch schöne "Schlechtwetterangebote" für Reisende vorstellen. Denn, da ist er sich sicher: "Dem Gast ist es egal, ob er zum Abendessen oder zum Entertainment ein Dorf weiter" fahren müsse. Auch schöne kulturelle Angebote könne er sich vorstellen. So böte die Digitalisierung viele tolle Chancen, der sorbischen Kultur zu mehr Aufmerksamkeit bspw. durch eine interessante, moderne Ausstellung zukommen zu lassen, "aber das muss alles nicht gleich morgen sein" zwinkert er zufriedener, als ich das für den Bürgermeister einer Gemeinde fast direkt an der Tagebaukante erwartet hätte. 

Viele Grüße!

 

Eure 

 

Jasna 

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