Wer hätte gedacht, wie schnell dann doch alles gehen kann!?

Am vergangenen Samstag lud das neue Zentrum für datenintensive Systemforschung, das CASUS Institut, zum Tag der Offenen Tür ein. Das CASUS erforscht mit Hilfe digitaler Werkzeuge komplexe Systeme wie Klima, Biodiversität und exotische Materiezustände. Dazu gehören die kosmische Teilchen- und Energieströme in der Nähe überschwerer Objekte ebenso dazu wie Wetter, Künstliche Intelligenz, das Zusammenspiel von Physik, Chemie und Biologie in lebenden Organismen oder das vernetzte und autonome Fahren in der Stadt der Zukunft. Wow! Schöne, komplexe Begriffe - und natürlich erklärungsbedürftig. Während der Veranstaltung stellten die CASUS-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler den hunderten wissbegierigen Görlitzernim Uferpark ihre Arbeit vor. Bei bestem Wetter, schöner Musik und leckeren Snacks wurde es eine gelungene Präsentation der hochkomplexen Forschungsgebiete. Weltspitzenforschung, Zukunft zum Anfassen, sozusagen - demnächst bei uns direkt an der Neiße, hausgemacht. Ab kommendem Jahr wird das alte Werk umgebaut. Ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. Internationale Weltspitzenforscher werden bei uns an der Neiße ansässig. Toll.

 

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Rund 200 interessierte Görlitzerinnen und Görlitzer kamen, um sich von den neuen Wissenschaften begeistern zu lassen und das alte Werk noch einmal in voller Patina zu bestaunen und sich erklären zu lassen, wie hier demnächst Zukunft gemacht wird.

Genauso toll wie die Information, dass MP Michael Kretschmer und Staatssekretär Prof. Wolf-Dieter Lukas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Erklärung zur Förderung und Finanzierung des CASUS bis 2038 unterzeichneten. Denn mit dieser langfristigen Perspektive wird der Umbau des „Alten Kondensatorenwerks“ an der Neiße zu einer modernen Forschungseinrichtung möglich. Das CASUS wird als Institut des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit den Partnern Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig, Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden, Technische Universität Dresden und Universität Wrocław ausgestaltet - auch diese Kooperationsverträge wurden am Tag der offenen Tür unterzeichnet.

Der "Lost Place" wird bald Geschichte sein

Das ehemalige VEB Kondensatorenwerk Görlitz war bis vor Kurzem nur noch ein Anziehungspunkt für die Liebhaber alter Industriedenkmäler. Menschen, die sich gerne einst großartige Produktionsstätten, die mittlerweile nurmehr durch ihren verblichenen Charme anziehend wirken, anschauen, fotografieren und auf Websiten wie "Lost Places" oder ""Rotten Places" zur Schau stellen.

Lange hatte Görlitz mit dem VEB Kondensatorenwerk so einen "Lost Place" fast mitten in der Stadt.

Nun aber steht dem Bau eine glänzende, international beachtete Zukunft bevor. Doch…was wurde eigentlich in dem verfallenen Bau produziert, wozu brauchte man…"Kondensatoren"? Und - ist das Gebäude nicht viel älter, was beheimatete es zuvor?

Das Fabrikgebäude entstand in der Kaiserzeit, um das Jahr 1890. Verschiedene Unternehmen stellten hier Koffer und Dampfkessel her, auch eine Diamantschleiferei gab es zeitweise. 1952 startete der VEB Kondensatorenwerk Görlitz - die älteren Görlitzer werden sich erinnern - die Produktion der Papierkondensatoren, Energiespeichern für Radios, Fernseher und andere elektrische und elektronische Geräte. Zunächst arbeiten hunderte Mitarbeiter für den heimischen Bedarf, aber auch für den Export. In den 1960-Jahren stieg die Nachfrage rasant, so dass Mitte der 1970-er Jahre über 1000 Mitarbeiter, auch in Zweigwerken auf der polnischen Seite und in einem neuen Werk (ab 1988) produzierten. Doch da hatte sich der Markt gewandelt: billigere asiatische Produkte verdrängten den einstigen Marktführer aus Osteuropa. 1992 musste die Görlitzer Kondensatorenwerke Insolvenz anmelden. Hunderte wurden arbeitslos, der Bau verfiel und wurde zum Anziehungspunkt für "Lost Place"-Touristen.

Doch nun ist der Verfall gestoppt. Dass am 04. September 2021 ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt wurde - und zwar einen, der Görlitz an der Weltspitze der Forschung mitspielen lässt - erfreut uns und beglückt die Stadt!

Wir sind gespannt auf Weiteres und halten Euch über das CASUS auf dem Laufenden - wie immer, hier im plusmimus-Blog!

Viele Grüße!

Eure


Jasna

 

Beide Fotos: Copyright CASUS/N. Schmidt

©2021 Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH

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