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Hallo! 

Manche Gründungs- und Innovationsgeschichten aus unserem Landkreis sind so gut, dass es einfach Spaß macht, sie zu erzählen und die Daumen zu drücken, dass diese Erfindung bald den Weg in die ganze Welt findet. Die von eco-softfibre ist so eine. eco-softfibre stellt einen ökologischen Weichschaumstoff aus Naturmaterialien her.

Man kann diesen als Schallabsorber in Innenräumen oder in der Möbel- und Bekleidungsindustrie zur Polsterung nutzen. Im Gegensatz zu herkömmlichem Schaumstoff, Polyurethan, entspricht eco-softfibre allen Erwartungen, die man heutzutage an ein modernes Material stellt: es ist ein recyclebares Naturprodukt, das leicht verarbeitet werden kann und ökologisch unbedenklich ist. Es dünstet keine giftigen, im schlimmsten Fall krebserregenden Dämpfe aus - einer der größten Vorteile gegenüber erdölbasierten Schaum-(Kunst-)Stoffen, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. "Kaum jemand ist sich der gesundheitlichen Bedenklichkeit der uns umgebenden Schaumstoffe, im Auto, in Polstern und in Matratzen, so richtig  bewusst" erklärt Hr. Wacker. "Wer liest schon das Kleingedruckte auf dem Beipackzettel einer Matratze beispielsweise und lässt eine neue Matratze erst mal wochenlang in einem einsamen Raum auslüften?" fragt er rhetorisch. 

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Das weitere schlagende Argument für den neuen Görlitzer Schaumstoff: eco-softfibre wird aus Reststoffen der Lederindustrie gewonnen, d.h., die Rohstoffe, die es zur Produktion braucht, sind weltweit in riesigen Mengen vorhanden. 

Als unsere Projektmanagerin Saskia Brosius aus dem Innovationsteam mir nach einem Besuch auf dem SIEMENS Innovationscampus die eco-softfibre-Gründungsgeschichte berichtete, wollte ich die Story sofort für unseren Freitagsblog. Denn die beiden sympathischen Erfinder dahinter und ihr original Görlitzer Produkt verdienen einfach Aufmerksamkeit! 

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Bernd Wacker, Vater von eco-softfibre, berichtet wie er mit knapp über 50 zum Erfinder und gleich darauf zum Firmengründer wurde: "Ich war 2018 als Firmencoach beruflich in Italien unterwegs. Auf einem Rundgang durch eine Gerberei sah ich Lederspäne, ein Restprodukt." Er fasste die Späne an - sie fühlten sich fluffig und irgendwie wertig an. Ihm dünkte, dass es zu schade zum Wegschmeißen war. Er fing automatisch an zu überlegen: was man mit diesem Material wohl anfangen könnte? Ein halbes Jahr später war Bernd Wacker wieder in der Gerberei und fragte, was man denn mit diesen Lederspänen machen würde. Als es hieß "gar nix", fing der Elektroingenieur, der lange Jahre für SIEMENS tätig war, in der heimischen Garage an zu tüfteln. Nach einigen Versuchen gelang es ihm, die Lederspäne - Bernd Wacker sagt: "vergleichbar Eischnee" aufzuschäumen und daraus einen vielfach einsetzbaren neuartigen, ökologisch unbedenklichen Kunststoff zu erschaffen.

Der nächste logische Schritt war, seinen Freund Wolfgang Coutandin von einer gemeinsamen Firmengründung zu überzeugen. "Allein hätte ich es nicht gemacht, ich bin sehr glücklich über die Teamarbeit mit meinem Freund" erklärt der Jungunternehmer. 

Gemacht, getan: im März 2020 wurde die Firma gegründet. Die Zeit des Lockdowns wurde genutzt, um ein Technikum aufzubauen und mit Christoph Scholze, damaliger Innovationsmanager bei SIEMENS, Fördermöglichkeiten, z.B. von der Sächsischen Aufbaubank, zu eruieren. "Daneben haben wir uns immer weiter an die Qualität, die uns vorschwebte, getastet" beschreibt Wacker den weiteren Prozess. Seit Januar 2021 sei man nun "lieferfähig", mit Schaumstoffflächen bis zu 200 Quadratmeter, wie der Erfinder nicht ohne Stolz erklärt. Während er sich eher um das Technische kümmert, ist sein Partner im Außendienst tätig - mittlerweile stellen die beiden in Showrooms aus und wenden sich derzeit noch eher an Designer und Innenausstatter als an den ganz großen Markt. Besonders die Anwendung als Schallabsorbierer für Hotels, Restaurants und Großraumbüros, aber auch für neu gebaute Wohnungen liegt ihm am Herzen, denn wir Menschen verbringen zwei Drittel unserer Zeit in Räumen - und natürlich wünschen wir uns alle ein gutes, gesundheitlich unbedenkliches Raumklima. Doch noch ist eco-Softfibre recht hochpreisig, was Bernd Wacker aber zu ändern sucht: durch eine größere Produktion. Denn noch sei die Manufaktur des innovativen Materials kostspielig, es gäbe noch "viel Raum zum Skalieren".  

Aktuell gäbe es viele Gespräche, um die Finanzierung für eine größere Produktion zustande zu bringen. Er hofft, im Januar 2022 ins Engineering zu gehen um dann 2023 die Produktion so richtig starten zu können. Das Potenzial ist riesig, denn vom benötigten Rohstoff fallen allein in Deutschland jährlich rund 10 000 Tonnen an. Wacker rechnet begeistert vor, dass man das gesamte in Deutschland eingesetzte Polyurethan durch sein eco-softfibre ersetzen könnte…und klar, je mehr man produziert, desto günstiger wird das Material für den Endverbraucher. 

Wer noch mehr über die Görlitzer Weltneuheit wissen will: Hier geht es direkt zu eco-softfibre.

Ansonsten - halten wir Euch hier über die weiteren Entwicklungen des Erfolg versprechenden Unternehmens auf dem Laufenden! 

Viele Grüße -  

 
Eure Jasna  

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